Neue Arbeitsformen und deren Auswirkungen auf das Mobilitätsverhalten
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Erstellt am 06.05.2026
Homeoffice verändert das Mobilitätsverhalten in der Schweiz. (Foto: Keystone/Transitec)
In der Schweiz hat der Aufschwung von Homeoffice die Mobilität verändert. Dieser wurde durch die Tertiärisierung, die Digitalisierung und vor allem durch COVID-19 vorangetrieben: Von 2018 bis 2023 ist der Anteil von Homeoffice von 24 % auf 37 % (+50 %) gestiegen und die durchschnittliche Anzahl der Homeoffice-Tagen von 1.43 auf 1.97. Transitec hat zusammen mit Mobil'Homme und der Universität Lausanne für das ASTRA eine Studie zu den Auswirkungen und dem Potenzial von Homeoffice auf den Verkehr durchgeführt: Einfluss auf die Verkehrsnetze, Reduzierung der Fahrkilometer und der Verkehrsspitzen.
Die direkten Auswirkungen sind vielfältig: Weniger Fahrten ermöglichen eine Reduzierung der CO2- und Treibstoffemissionen, während die Verschiebung der Fahrzeiten die Spitzenzeiten abmildert, ohne zwangsläufig die Gesamtkilometerzahl zu verringern. Die Methodik der Studie kombiniert individuelle Analysen (MRMT, ESPA, UNIL-Umfragen) mit Messungen der Netzauslastung auf nationaler und lokaler Ebene (Autobahnen, Schiene, städtischer öffentlicher Verkehr).
In den Verkehrsnetzen ist Homeoffice spürbar und es hat die Effekte des Bevölkerungswachstums in der Schweiz auf das Strassennetz teilweise ausgeglichen. Zwischen 2018/19 und 2023 hätte Homeoffice in fünf Jahren eine Einsparung von ~8 % der «Wohnort–Arbeitsplatz»-Kilometer (ca. 2’300 Millionen) ermöglicht. Trotz des Bevölkerungswachstums stagniert oder nimmt der Verkehr unter der Woche ab (sowohl auf den Strassen als auch im öffentlichen Verkehr), während er am Wochenende zunimmt. Die Auswirkungen sind montags und freitags stärker ausgeprägt, vor allem im öffentlichen Verkehr und insbesondere in Dienstleistungs- und städtischen Regionen (Basel–Zürich–Luzern, Genferseeregion).
Die indirekten Auswirkungen bleiben begrenzt: geringe Verlängerung der Fahrstrecken, leichter Anstieg der lokalen Mobilität an Homeoffice-Tagen und mässiger Anstieg der Freizeitaktivitäten. Die «Rebound-Effekte» sind daher klein.
Und was kann für die Zukunft von Homeoffice erwartet werden, um unsere Fahrten zu reduzieren und zeitlich besser zu verteilen? Eine Stabilisierung oder sogar ein leichter Rückgang der Homeoffice-Tage ist wahrscheinlich: Die Zahlen scheinen sich um das Jahr 2022 eingependelt zu haben, was weitere Einsparungen bei den Fahrleistungen begrenzt. Dagegen kann die zeitliche Flexibilität die Fahrten besser verteilen und Spitzen abmildern. In einem anspruchsvollen klimatischen Kontext bleibt Homeoffice ein nützlicher, aber unzureichender Hebel. Weitere Massnahmen sind erforderlich, insbesondere zur Entwicklung der Stadt der „kurzen Wege“.
Weitere Informationen
- Vollständiger Forschungsbericht (ASTRA, Transitec, Mobil'Homme, UNIL)
- Mobilservice News Dossier zur „SVI Fachtagung Forschung 2025“ (November 2025)
- Mobilservice News Dossier zu „Mobil-flexibles Arbeiten in der Schweiz: Die FlexWork Studie 2022“ (März 2023)
- Mobilservice News Dossier zu „Neue hybride Arbeitswelt: Neues Angebot und Herausforderungen“ (November 2022)
