Kleine Fahrzeuge, grosse Wirkung? Das Potential von LEVs
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Erstellt am 06.05.2026
Die Eigenschaften von LEVs sind sehr unterschiedlich - sie reichen vom 25 km/h schnellen E-Bike bis zum 90 km/h schnellen Microcar (Foto: DLR)
Leichte Elektrofahrzeuge (LEV), vom E-Velo über Cargobikes bis zu Microcars, gelten als vielversprechender Baustein für eine klimafreundlichere Mobilität. Sie sind energieeffizient, leise und benötigen deutlich weniger Parkfläche. In der Schweiz stagniert aber besonders die Verbreitung von Microcars auf tiefem Niveau. Im letzten Mobilservice Webinar zum Thema "LEV: Förderung von E-Leichtfahrzeugen in Städten und Gemeinden" gaben drei Referent:innen Einblicke in aktuelle Forschungsergebnisse und internationale Praxisbeispiele rund um LEVs.
Wie gross das Potenzial von LEVs in der Schweiz tatsächlich wäre, zeigt die Studie "LEV4Climate" des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt (DLR) im Auftrag der Mobilitätsakademie des TCS. In der Studie wird untersucht, wie viele Autofahrten mit LEVs ersetzt werden können und wie viele Treibhausgasemissionen dabei eingespart würden. Die Ergebnisse zeigen, dass bis zu 82 % der täglichen Autofahrten theoretisch durch LEVs ersetzt werden könnten. Besonders hoch ist das Potenzial bei Microcars, aber auch E-Velos und Cargobikes leisten relevante Beiträge. Insgesamt könnten, unter Berücksichtigung der Produktion (inkl. Batterieproduktion) und des Betriebs der Fahrzeuge, rund 50 % der Treibhausgasemissionen eingespart werden. Eine weitere Studie des DLR zeigt ähnliche Ergebnisse für den Wirtschaftsverkehr: Bis zu 73 % der Autofahrten wären technisch substituierbar. Zu beachten ist, dass beide Studien auf einer rein technischen Analyse beruhen. Aspekte wie Akzeptanz, Komfort, Kosten und das Potenzial zur Verhaltensänderung bleiben dabei unberücksichtigt.
Ein Blick nach Frankreich zeigt, wie stark gesetzliche Rahmenbedingungen die Nutzung prägen. Seit 2020 boomt dort der Microcar-Markt, insbesondere bei Jugendlichen zwischen 14 und 17 Jahren, die die Fahrzeuge ohne Führerschein nutzen dürfen und sie auch für den Schulweg verwenden. Die Beliebtheit der Microcars lässt sich unter anderem durch ein unzureichendes ÖV-Angebot und die als höher empfundene Sicherheit gegenüber Zweirädern erklären. Gleichzeitig wirft diese Entwicklung Fragen auf: Führt das Fahren von Microcars als Teenager zu mehr Autonutzung später? Abschliessend lässt sich das nicht beantworten. In der Schweiz nutzen Jugendliche häufig E-Trottinette und Elektroroller. Dabei kommt es vermehrt zu Gesetzesverstössen. Jugendliche sind oft zu jung, um die Fahrzeuge legal zu nutzen, oder manipulieren eigene Trottinette oder Roller mit Hilfe von Online-Anleitungen, um höhere Geschwindigkeiten zu erreichen.
Weitere Informationen
- SRF Beitrag: Jugendliche sind häufiger illegal mit Trendfahrzeugen unterwegs
- Mobilservice Webinar LEV: Förderung von E-Leichtfahrzeugen in Städten und Gemeinden (März 2026)
- Mobilservice News Dossier zu E-Trottinette: Studien zur Verkehrsintegration und Prävention von Unfällen (Juli 2025)
- Mobilservice News Dossier zu Mikromobilität und E-Leichtfahrzeugen (Oktober 2023)
- Mobilservice News Dossier zu elektrischen Kleinstfahrzeugen und ihre Ansprüche an Verkehrsinfrastrukturen (April 2023)
Dokumente auf Deutsch
Dokumente auf Englisch
- Gebhardt, L., Brost, M. & Seiffert, R. (2023). What Potential Do Light Electric Vehicles Have to Reduce Car Trips? Future Transportation (3), 918-930. Multidisciplinary Digital Publishing Institute (MDPI). [PDF, 2.24 MB]
- Seiffert, R., Brost, M. & Gebhardt, L. (2025). The Potential of Light Electric Vehicles to Substitute Car Trips in Commercial Transport in Germany. World Electr. Veh. 16(547). [PDF, 554.3 KB]
- Ewert, A., Brost, M., Eisenmann, C. & Stieler, S. (2020). Small and Light Electric Vehicles: An Analysis of Feasible Transport Impacts and Opportunities for Improved Urban Land Use. Sustainability 12(19), 8098. Multidisciplinary Digital Publishing Institu [PDF, 3.15 MB]
