Vom überbetrieblichen Mobilitätskonzept zu MomòRide – der interkommunale Ansatz im Basso Mendrisiotto
Erstellt am 28.09.2026
Blick auf den Basso Mendrisiotto mit Chiasso und dem Bahnknoten, wenige Kilometer von der italienischen Grenze entfernt (Foto: Ti-Press SA)
Seit 2016 arbeiten die Gemeinden Balerna, Chiasso und Novazzano zusammen, um den Arbeitsweg im Basso Mendrisiotto nachhaltiger zu gestalten – einem Grenzgebiet mit rund 5'000 Unternehmen und über 15'000 Arbeitsplätzen, die grösstenteils von Pendelnden aus Italien besetzt sind. Ausgehend von zwei überbetrieblichen Mobilitätskonzepten (PCMA) haben die drei Gemeinden einen gemeinsamen Plan für das gesamte Gebiet erarbeitet und Schritt für Schritt konkrete Massnahmen umgesetzt: die Erweiterung des Bike-Sharing-Netzes, die Velo-Anreizkampagnen Bikecoin und seit 2026 MomòRide, das erste gebietsweite Carpooling-Projekt im Tessin, das in Partnerschaft mit einer regionalen Institution und einer privaten Stiftung realisiert wird.
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Profil & Eckdaten
zugeordnete Tags/Schlagwörter
Investitionskosten
- mittel (bis Fr. 50'000.-)
Jährliche Betriebskosten
- mittel (bis Fr. 20'000.-)
Bemerkungen
Der Prozess gliedert sich in vier Phasen von 2016 bis 2028, die jeweils rund zwei bis drei Jahre dauern. Das Gebiet der drei Gemeinden zählt insgesamt rund 15'000 Einwohnende. Kosten: Ab Phase 2 wurden die Analysen im Rahmen des Massnahmenblatts TIM 3 des Agglomerationsprogramms (PAM3) durchgeführt; für die Massnahmen stellen die Gemeinden Preisgelder und Anreize zur Verfügung (z. B. CHF 8'500.– für Bikecoin 2022, CHF 500.– pro Monat für MomòRide). Die überbetrieblichen Mobilitätskonzepte und einige Massnahmen wurden vom Departement für Raumentwicklung und Umwelt (Dipartimento del territorio) des Kantons Tessin über das kantonale Förderdekret für betriebliches Mobilitätsmanagement mitfinanziert.
Raumtyp
- Zentrum / Stadt
- Agglomeration
Gemeindegrösse
- 10'000 - 20'000 Einwohner
Beispiel
Gemeinden Balerna, Chiasso und Novazzano
Der Basso Mendrisiotto ist das südliche Tor der Schweiz: Jeden Tag überqueren Tausende von Arbeitnehmenden die Grenze, um zu den Unternehmen in Chiasso, Balerna und Novazzano zu gelangen – grösstenteils mit dem Auto. Um diese Herausforderung anzugehen, haben sich die drei Gemeinden entschieden, nicht allein zu handeln, sondern einen interkommunalen Ansatz für das betriebliche Mobilitätsmanagement zu entwickeln, der in vier Phasen gegliedert ist:
- Phase 1 (2016–2018): zwei überbetriebliche Mobilitätskonzepte (PCMA), eines für Chiasso und eines für Balerna-Novazzano;
- Phase 2 (2020–2022): Zusammenführung zu einem gemeinsamen überbetrieblichen Mobilitätskonzept für den Basso Mendrisiotto (PCMA-BM);
- Phase 3 (2021–2025): Erweiterung des Bike-Sharing-Netzes und der Velo-Anreizkampagnen Bikecoin;
- Phase 4 (2026–2028): gebietsweites Carpooling-Projekt MomòRide.
Pendlerströme von, nach und durch den Basso Mendrisiotto: A = interne Wege (2'070), B = aus dem Gebiet in das übrige Tessin (2'578), C = aus dem übrigen Tessin in das Gebiet (3'682), D = aus Italien in das Gebiet (7'750), E = aus Italien durch das Gebiet (12'055) (Quelle: PCMA-BM).
Hintergrund
Balerna, Chiasso und Novazzano bilden ein zusammenhängendes Arbeitsplatzgebiet an der italienischen Grenze mit rund 5'000 registrierten Unternehmen (davon ca. 3'000 in Chiasso) und rund 15'000 Arbeitnehmenden. Die Wirtschaftsstruktur besteht grösstenteils aus kleinen und mittleren Unternehmen, ergänzt durch einige grössere Betriebe, beispielsweise in der Logistik. Die für den PCMA-BM durchgeführte Analyse der statistischen Daten zeigt, dass das Gebiet von starken Pendlerströmen aus Italien geprägt ist: Rund 7'750 Personen reisen täglich aus Italien in den Basso Mendrisiotto ein, während über 12'000 das Gebiet durchqueren, um andere Orte im Tessin zu erreichen. Nur rund 2'070 Wege verbleiben innerhalb des Gebiets.
Standort / Rahmenbedingungen
Das Gebiet verfügt beim Bahnhof Chiasso über einen intermodalen Verkehrsknoten von kantonaler Bedeutung, an dem die Orts- und Regionallinien von PostAuto AG und AMSA SA sowie die Endhaltestelle der Linie 1 von ASF Autolinee (Como) halten. Neben dem öffentlichen Verkehr bietet der Umsteigeknoten 3 Taxiplätze, 2 Mobility-Carsharing-Plätze, 2 Kiss+Ride-Plätze, 19 P+R-Plätze, 7 Parkplätze mit Stundentarif, 124 Bike+Ride-Plätze und 118 Plätze für Motorräder und Roller. Mit dem neuen kantonalen Textilzentrum (CPT) ist ein P+R-Parkhaus mit 150 Plätzen geplant.
Im Rahmen des PCMA-BM wurden zudem die bestehenden und geplanten Rahmenbedingungen überprüft: der Ausbau der P+R- und Veloabstellplätze an den Bahnhöfen Chiasso und Balerna, der Ausbau des regionalen öffentlichen Verkehrs (TP21) sowie die Erweiterung des Bike-Sharing-Netzes des Luganese auf das Mendrisiotto und den Basso Ceresio.
Der intermodale Verkehrsknoten am Bahnhof Chiasso (Foto: Gemeinde Chiasso / CRTM)
Ausgangslage / Motivation / Vorgaben
Der von den Unternehmen des Gebiets erzeugte Pendelverkehr, der grösstenteils mit dem Auto zurückgelegt wird, belastet das Strassennetz und die Lebensqualität in der Region. Die Gemeinden haben erkannt, dass eine einzelne Gemeinde oder ein einzelnes Unternehmen – insbesondere ein kleines – kaum allein die kritische Masse erreicht, um wirksame Alternativen wie überbetriebliche Shuttles oder Fahrgemeinschaften anzubieten. Daraus ergab sich die Wahl eines gebietsweiten Ansatzes.
Ab der zweiten Phase wurde die Arbeit in die Aktivitäten des Massnahmenblatts TIM 3 «Piani di mobilità aziendale comprensoriali» (überbetriebliche Mobilitätskonzepte) des Agglomerationsprogramms Mendrisiotto der 3. Generation (PAM3) integriert und von der Regionalen Verkehrskommission Mendrisiotto und Basso Ceresio (CRTM) koordiniert.
Die im Rahmen des PCMA-BM unter den Arbeitnehmenden der Unternehmen durchgeführte Online-Umfrage zeigte eine grosse Diskrepanz zwischen dem tatsächlichen Mobilitätsverhalten und dem Potenzial für alternative Mobilität:
Anteil der Arbeitnehmenden nach Verkehrsmittel: Potenzial gemäss Umfrage und effektive Nutzung (Quelle: Umfrage PCMA-BM).
Vorgehen
Phase 1 (2016–2018): erste PCMA. Die drei Gemeinden lancieren zwei separate überbetriebliche Mobilitätskonzepte für die Arbeitsplatzgebiete Chiasso und Balerna-Novazzano. An den beiden Projekten beteiligen sich 41 Unternehmen mit rund 3'500 Mitarbeitenden. Die Arbeit umfasst die Analyse des Mobilitätsangebots im Gebiet, den Einbezug der Unternehmen und die Erhebung von Daten zur Nachfrage, die Definition möglicher Massnahmen auf Gebiets- und Unternehmensebene sowie die Erstellung von Berichten für das Gebiet und für jedes Unternehmen. Es folgt eine Testphase mit der Förderung der Massnahmen in den Unternehmen, der kostenlosen Bereitstellung elektrischer Fahrzeuge für den Langsamverkehr zum Ausprobieren und der Zusammenarbeit zwischen Gemeinden und Unternehmen zur Umsetzung gebietsweiter Massnahmen, beispielsweise Anschlüsse Zug–Bus in Balerna, sichere Veloabstellplätze (Veloboxen), überbetriebliche Shuttles und Mini-Shuttles aus Italien sowie Parkplätze für Fahrgemeinschaften.
Phase 2 (2020–2022): PCMA Basso Mendrisiotto. Um die bisherigen Anstrengungen nicht zu verlieren und die kritische Masse zu erhöhen, führen die drei Gemeinden die beiden Pläne zu einem einzigen Projekt zusammen. Auf der Grundlage der Analyse der Pendlerströme (intern, ausgehend, eingehend und Transit), der Überprüfung der Rahmenbedingungen und einer Online-Umfrage unter den Arbeitnehmenden ergeben sich drei prioritäre Massnahmen, die auch mit kantonalen Beiträgen unterstützt werden können: das Velo-Anreizprogramm Bikecoin, eine Carpooling-Kampagne mit Veranstaltungen und Preisen sowie überbetriebliche Shuttles, deren erste drei Monate vollständig von den Gemeinden finanziert werden, verbunden mit dem Vorschlag an die Unternehmen, ihre Parkplätze zu bewirtschaften, um mit den Einnahmen die Kosten der Shuttles in den folgenden Phasen zu decken.
Phase 3 (2021–2025): Bike-Sharing und Bikecoin. Unter der Koordination der CRTM (Massnahme PAM3) wird das Bike-Sharing-Netz der Region Lugano auf das Mendrisiotto ausgeweitet. Ab 2022 bieten die Gemeinden den Unternehmen und ihren eigenen Verwaltungen die Bikecoin-Kampagnen an, bei denen die Mitarbeitenden Punkte sammeln, indem sie ihre Arbeitswege mit dem Velo in der Mobalt-App aufzeichnen.
Phase 4 (2026–2028): MomòRide. Im Laufe des Jahres 2024 werden weitere institutionelle Akteure – der wirtschaftliche Entwicklungspol (PSE) Pian Faloppia und die Regionale Entwicklungsagentur Mendrisiotto und Basso Ceresio (ERS-MB) – sowie private Akteure – die lastminute foundation – in die Überlegungen zur geteilten Mobilität einbezogen. Daraus entsteht MomòRide, ein gebietsweites Carpooling-Projekt mit einer Laufzeit von zwei Jahren, das am 21. Januar 2026 mit einem Lancierungsanlass in Chiasso vorgestellt wurde.
Massnahmen
Stand: 2026
Anreize und organisatorische Massnahmen
- Beiträge für die Mitarbeitenden der Gemeindeverwaltungen: Im Anschluss an die PCMA haben die Gemeinden Chiasso und Balerna den Beitrag an das Firmenabonnement Arcobaleno Aziendale verdoppelt (bis zu 30 %) und eine Subvention von 20 % für den Kauf von E-Bikes eingeführt, die für den Arbeitsweg genutzt werden.
- Bikecoin 2022: Kampagne für Unternehmen mit einem innovativen Ansatz: Die Gemeinden belohnen die Arbeitnehmenden direkt mit bis zu CHF 40.– pro Monat und Teilnehmende:n, indem sie die mit der Mobalt-App gesammelten Punkte (Bikecoins) – abhängig von den mit dem Velo zurückgelegten Wegen und Kilometern – in Geld umwandeln.
- Bikecoin 2023: Die Gemeinden stellen ein Preisgeld von insgesamt CHF 1'500.– für die bestplatzierten Teilnehmenden der Rangliste zur Verfügung und fordern die Unternehmen auf, ihrerseits Anreize für ihre Mitarbeitenden zu schaffen.
- BusinessBike Partner: Die Gemeinden der Region haben sich dem Angebot des Firmenabonnements für Bike-Sharing angeschlossen und stellen es ihren Mitarbeitenden zur Verfügung.
MomòRide: gebietsweites Carpooling
MomòRide ist die erste gebietsweite Carpooling-Massnahme im Tessin und richtet sich an alle Mitarbeitenden der Unternehmen in Balerna, Chiasso und Novazzano – auch wenn das eigene Unternehmen nicht teilnimmt. Das Projekt basiert auf der Mobalt-App, mit der die Teilnehmenden:
- Kolleginnen und Kollegen oder andere Arbeitnehmende der Region finden, mit denen sie den Arbeitsweg teilen können;
- ihre Carpooling-Fahrten per GPS aufzeichnen; die Anwesenheit der Mitfahrenden wird mit einem dynamischen QR-Code bestätigt;
- Punkte sammeln und Kilometer, Gewinne und Ranglisten einsehen.
Jeden Monat stellen die Gemeinden ein Preisgeld von CHF 500.– zur Verfügung, das unter den aktivsten Teilnehmenden verlost wird (10 Gutscheine zu CHF 20.– ab 1'000 Punkten, 5 zu CHF 30.– ab 1'500 Punkten und 3 zu CHF 50.– ab 2'000 Punkten). Regelmässige kollektive Challenges, die von Sponsoren unterstützt werden, verbinden das Mobilitätsziel mit einem gemeinnützigen Zweck für die Region. Die Teilnahme ist für die Nutzenden sowie für Unternehmen mit weniger als 50 Mitarbeitenden kostenlos; grössere Unternehmen erhalten 40 % Rabatt auf das Mobalt-Abonnement, und Unternehmen, die sich bis zum 31. März 2026 angemeldet haben, erhielten das erste Jahr kostenlos. Die Unternehmen können zudem eigene Kampagnen für nachhaltige Mobilität durchführen, beispielsweise indem sie Parkplätze für Fahrgemeinschaften reservieren.
Die wichtigsten Carpooling-Funktionen der Mobalt-App: Start der Aufzeichnung, Hinzufügen von Mitfahrenden, Scannen des QR-Codes, Statistiken und Ranglisten (Quelle: Mobitrends SA).
Infrastruktur
- Bike-Sharing: Seit 2021 eine erste Etappe mit 45 Stationen und 270 Velos in 14 Gemeinden des Mendrisiotto und des Basso Ceresio; das Netz mit gemischten Standard- und Light-Stationen wird mit der Zusammenführung der Netze von PubliBike/Velospot weiter ausgebaut.
- Intermodaler Verkehrsknoten Chiasso: Bike+Ride- und P+R-Plätze, Plätze für Carsharing und Carpooling, geplantes neues P+R-Parkhaus.
Information und Sensibilisierung
- Medienmitteilungen und Briefe an die Unternehmen zur Lancierung der einzelnen Kampagnen;
- öffentlicher Lancierungsanlass von MomòRide (21. Januar 2026) und Präsenz an Veranstaltungen zum Thema Arbeit und Mobilität in Grenzregionen;
- kollektive Challenges und saisonale Aktionen (z. B. «Bike&Wine», September–November 2026), um die Motivation hoch zu halten;
- eigene Website www.momoride.ch mit Reglement, Tutorials und News.
Wirkung
Phasen 1 und 2 (PCMA). Auf Unternehmensebene führten die Pläne zu einzelnen positiven Ergebnissen, etwa zu den neuen Anreizen für die Mitarbeitenden der Verwaltungen von Chiasso und Balerna. Auf Gebietsebene zeigten sich ein gutes Potenzial und gute Voraussetzungen für wirkungsvolle Massnahmen, beispielsweise einige Linien für Firmenshuttles; die kritische Masse der potenziellen Nutzenden reichte jedoch nicht aus, um gemeinsame Lösungen umzusetzen. Der PCMA-BM lieferte dennoch die Datengrundlage und das Kontaktnetz, auf denen die folgenden Massnahmen aufbauen.
Phase 3 (Bikecoin 2022). An der ersten Kampagne beteiligten sich 10 Organisationen mit rund 100 aktiven Nutzenden, 9'500 verifizierten Wegen, 40'000 aufgezeichneten Kilometern und 520'000 gesammelten Bikecoins. Die drei Gemeinden zahlten CHF 8'500.– aus, ergänzt durch die Anreize der einzelnen Unternehmen. Gemäss der Umfrage unter den Teilnehmenden:
- haben 44 % die Nutzung des Autos vermutlich reduziert (vor der Kampagne nutzten 31 % ausschliesslich Auto oder Motorrad und 13 % abwechselnd Auto und Velo);
- haben 61 % die Häufigkeit der Nutzung des Fuss- und Veloverkehrs erhöht, beispielsweise indem sie auch bei schlechtem Wetter Velo fuhren;
- ist das meistgenutzte Verkehrsmittel das E-Bike bis 25 km/h (48 %);
- sind die wichtigsten Beweggründe die Anreize in Form von Geld oder Sachwerten (44 %) sowie die Vorteile für Gesundheit und Umwelt (22 %);
- sind 87 % bereit, das ganze Jahr über teilzunehmen (davon 13 % mit einem höheren Anreiz in der kalten Jahreszeit).
Die Analyse der georeferenzierten Wege bestätigte unter anderem den Bedarf an geeigneter grenzüberschreitender Veloinfrastruktur, insbesondere auf der Achse Chiasso–Como. Das Thema wurde im Agglomerationsprogramm der 5. Generation (PAM5) mit spezifischen Massnahmen und Kontakten zu den betroffenen italienischen Gemeinden aufgegriffen.
Mit der Mobalt-App aufgezeichnete Arbeitswege während der Kampagne Bikecoin 2022: Je häufiger ein Abschnitt befahren wurde, desto dicker ist die Linie (Quelle: Analyse Mobitrends SA).
Phase 4 (MomòRide). Gut einen Monat nach dem operativen Start hatten sich 17 Unternehmen aus den drei Gemeinden dem Projekt angeschlossen, mit rund 100 Nutzenden und etwa zwanzig Fahrgemeinschaften. Im Juni 2026 überstieg die Zahl der registrierten Nutzenden die Marke von 200 (+25 % innerhalb eines Monats), mit rund 25 täglich aktiven Fahrgemeinschaften. Die erste kollektive Challenge (Mai 2026) übertraf das Ziel von 50'000 Punkten um 8 %; mit dem Erreichen des Ziels spendete die BancaStato CHF 1'000.– an die Fondazione Provvida Madre in Balerna. Die Hupac Intermodal SA reservierte zudem vier Firmenparkplätze für Mitarbeitende, die mindestens 1'000 Punkte pro Monat sammeln. Eine zweite kollektive Challenge läuft seit September 2026. Die gesammelten aggregierten und anonymisierten Daten sollen dazu dienen, überbetriebliche Mobilitätsstrategien für bestimmte Gebiete wie den Pian Faloppia zu entwickeln.
Erfahrungen
Erfolgsfaktoren
- Interkommunale Zusammenarbeit: Die Bündelung der Kräfte von drei Gemeinden erhöht die kritische Masse und macht die Massnahmen auch für kleine Unternehmen interessant.
- Etappenweises Vorgehen: Die Analysen der PCMA schufen die Wissensgrundlage und die Kontakte; die Massnahmen wurden anschliessend schrittweise eingeführt und aufgrund der Ergebnisse angepasst.
- Verankerung in der regionalen Planung: Die Integration in das Agglomerationsprogramm (PAM3, PAM5) und die Koordination durch die CRTM sichern Kontinuität und den Zugang zu kantonalen Beiträgen.
- Öffentlich-private Partnerschaft: MomòRide vereint drei Gemeinden, eine regionale Entwicklungsagentur, einen wirtschaftlichen Entwicklungspol, eine private Stiftung und lokale Sponsoren.
- Direkter Zugang für die Arbeitnehmenden: Mit MomòRide können alle Mitarbeitenden teilnehmen, auch wenn ihr Unternehmen nicht mitmacht.
- Konkrete und spielerische Anreize: Geldpreise, Ranglisten und kollektive Challenges mit gemeinnützigem Zweck motivieren die Teilnehmenden.
- Vorbildrolle der Gemeindeverwaltungen, die die Massnahmen mit ihren eigenen Mitarbeitenden getestet haben.
- Ein einziges digitales Instrument (Mobalt-App) für Anreize, die Verifizierung der Wege und die Erhebung planungsrelevanter Daten.
Hemmnisfaktoren
- Kritische Masse: In den ersten Phasen reichte die Zahl der potenziellen Nutzenden nicht aus, um gemeinsame Lösungen wie überbetriebliche Shuttles umzusetzen.
- Grenzüberschreitender Kontext: Ein Grossteil der Pendelnden kommt aus Italien; Infrastrukturen und Massnahmen erfordern die Koordination mit Stellen jenseits der Grenze.
- Wirtschaftsstruktur mit vielen kleinen und mittleren Unternehmen, die oft keine eigenen Ressourcen für das Mobilitätsmanagement haben.
- Die Beteiligung privater Unternehmen langfristig aufrechterhalten: An der Kampagne Bikecoin 2023, bei der ein gemeinsames Preisgeld anstelle des monatlichen Anreizes eingesetzt wurde, nahmen vor allem die Gemeindeverwaltungen und die gemeindeeigenen Betriebe teil.
- Saisonalität: Die Velonutzung nimmt in den kalten Monaten und während der Sommerferien ab.
Weitere Informationen
Dieses Praxis-Beispiel wurde in Anlehnung an die Unternehmensbeispiele zum betrieblichen Mobilitätsmanagement und an das Praxis-Beispiel «MIPA – Mobilitätsmanagement in Planungsprozessen von neuen Arealen» nach den neuen Mindeststandards (2026) für Mobilservice aufbereitet. Die Erarbeitung und Übersetzung dieses Beispiels wurde durch die Zusammenarbeit mit dem Fachverband Mobility Management Suisse MMS und die Unterstützung von EnergieSchweiz ermöglicht (2026).
Weiterführende Links:
- MomòRide – gebietsweites Carpooling-Projekt (it/en)
- App für das betriebliche Mobilitätsmanagement Mobalt
- Velo-Anreizprogramm Bikecoin
- Kanton Tessin, Decreto esecutivo concernente la concessione di contributi per la mobilità aziendale (Vollzugsdekret über die Gewährung von Beiträgen für das betriebliche Mobilitätsmanagement, vom 21. September 2022, nur auf Italienisch)
- Regionale Verkehrskommission Mendrisiotto und Basso Ceresio (CRTM, nur auf Italienisch)
- Mobilservice Praxis Beispiel «Bikecoin-Kampagne zur Förderung des Veloverkehrs der Stadt Locarno» (Oktober 2024)
- Artikel laRegione «Carpooling sopra le attese con MomòRide nel Mendrisiotto» (2026, auf Italienisch)
Weitere Downloads:
- Teilnahmereglement MomòRide (August 2026, auf Italienisch)
- Präsentation «Dal Piano comprensoriale di mobilità aziendale a MomòRide», Silvia Passiglia, 4. Dezember 2025 (auf Italienisch)
Kontakt:
Comune di Chiasso
Ufficio tecnico comunale – Sezione Pianificazione e trasporti pubblici
Arch. Silvia Passiglia, Caposezione
Via Carlo Cattaneo 3
CH-6830 Chiasso
www.chiasso.ch
MomòRide
c/o Mobitrends SA
Via Francesco Somaini 7
CH-6900 Lugano
www.momoride.ch
Verantwortlich für die Ausarbeitung dieses Praxis-Beispiels:
Fachverband Mobility Management Suisse MMS
3011 Bern
+41 31 311 93 63
www.mms-gms.ch
