Kanton Waadt: neue Mobilitätsstrategie mit Schwerpunkt auf multimodaler Mobilität
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Erstellt am 02.09.2026
Das richtige Verkehrsmittel am richtigen Ort fördern: Das ist der Kern der neuen Mobilitätsstrategie des Kantons Waadt (Bild: pexels.com)
Der Kanton Waadt hat im Juni 2026 einen Vorentwurf für ein Mobilitätsgesetz (LMob) in die Vernehmlassung gegeben, das das Strassengesetz (LRou) ersetzen soll. Dieses stammt aus dem Jahr 1991 und wird als zu stark auf das Auto ausgerichtet und den aktuellen Herausforderungen nicht mehr angemessen angesehen. Über diese Gesetzesreform hinaus verfolgt der Kanton ein umfassenderes Ziel: die Mobilität als ein System neu zu konzipieren, in dem Auto, öffentlicher Verkehr, Velo und Zufussgehen nebeneinander bestehen und sich ergänzen.
In den letzten 30 Jahren haben sich die Mobilitätsgewohnheiten durch Bevölkerungswachstum, Urbanisierung, Digitalisierung, Homeoffice und klimatische Erfordernisse grundlegend verändert. Daher reicht es nicht mehr aus, Strassen lediglich zu unterhalten und zu bauen. Der künftige rechtliche Rahmen muss alle Mobilitätsinfrastrukturen einbeziehen, von Gehwegen über Velowege bis hin zu Verkehrsknotenpunkten und Instrumenten des Verkehrsmanagements.
Diese Reform geht mit einer kantonalen Strategie für multimodale Mobilität bis zum Jahr 2050 einher. Ihr Ziel: die Umweltbelastung durch den Verkehr zu verringern und gleichzeitig ein effizientes und barrierefreies System zu gewährleisten. Die Mobilität ist für etwa ein Drittel der Treibhausgasemissionen der Waadtländer Bevölkerung verantwortlich. Um die CO₂-Neutralität zu erreichen, will der Kanton zunächst auf den Mobilitätsbedarf und die zurückgelegten Entfernungen einwirken, insbesondere durch die Annäherung von Wohnorten, Arbeitsplätzen und Dienstleistungen.
Die Strategie stützt sich auf vier Hauptschwerpunkte: „Vermeiden und näherbringen“, „verlagern und ausgleichen“, „verbessern und teilen“ sowie „zusammenarbeiten und ermöglichen“. Konkret geht es darum, das Zu-Fuss-Gehen, das Velofahren und den öffentlichen Verkehr zu fördern, Fahrgemeinschaften und geteilte Mobilität auszubauen, aber auch die bestehende Infrastruktur anzupassen, anstatt immer neue Einrichtungen zu schaffen. Bahnhöfe, Bushaltestellen, Park-and-Ride-Anlagen sowie Velostationen müssen zu echten intermodalen Knotenpunkten werden.
Es gibt jedoch keine Einheitslösung für das gesamte Gebiet. Die Möglichkeiten, auf das Auto zu verzichten, sind in einem Ballungsraum, einer Kleinstadt, einem Dorf oder einer Alpenregion nicht dieselben. Die Ziele der Verkehrsverlagerung werden daher an die lokalen Gegebenheiten angepasst, wobei die Anbindung an den öffentlichen Verkehr und die Erreichbarkeit von Dienstleistungen berücksichtigt werden.
Das neue Gesetz muss diese Vision widerspiegeln. Es sieht eine bessere Koordination zwischen Kanton und Gemeinden, vereinfachte Verfahren und eine erweiterte Finanzierung der Infrastrukturen für die verschiedenen Verkehrsträger vor. Hinter der Reform verbirgt sich somit ein Paradigmenwechsel: Es geht nicht mehr darum, Mobilität über ein einziges Verkehrsmittel zu betrachten, sondern jedem zu ermöglichen, die für seinen Wohnort und seine Bedürfnisse am besten geeignete Kombination zu wählen. Und das alles durch Anreize statt durch Zwang.
Weitere Informationen
- Medienmitteilung des Kantons Waadt: Der Kanton schickt den Vorentwurf zum Mobilitätsgesetz (LMob) in die Vernehmlassung und stellt seine kantonale Strategie für multimodale Mobilität vor (fr)
- Mobilservice News Dossier „Fusswegnetzplanung wirksam umsetzen“ (März 2026)
- Mobilservice News Dossier „Die Strasse, ein Lebensraum zum Neuerfinden“ (Februar 2026)
- Mobilservice News Dossier „Mobilität in Schweizer Städten: Studie bestärkt Städte in ihrer Verkehrspolitik“ (Juni 2025)
- Mobilservice News Dossier „Der Waadtländer Regierungsrat will den Veloanteil verfünffachen“ (Dezember 2021)
Dokumente auf Französisch
- Stratégie cantonale de mobilité multimodale [PDF, 7.17 MB]
