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Verkehrsbewältigung mit der ABC-Methode

Erstellt am 06.03.2007
Aktualisiert am 20.01.2015

Profil & Eckdaten

zugeordnete Tags/Schlagwörter

  • Pendler
  • Gemeinden
  • Fuss
  • Velo
  • Unternehmen
  • ÖV
  • Geschäft
  • Auto

Investitionskosten

  • mittel (bis Fr. 50'000.-)
0 10'000 50'000
  • mittel (bis Fr. 50'000.-)

Jährliche Betriebskosten

  • mittel (bis Fr. 20'000.-)
0 5'000 20'000
  • mittel (bis Fr. 20'000.-)

Raumtyp

  • Zentrum / Stadt
  • Agglomeration

Gemeindegrösse

  • < 5'000 Einwohner
  • 5'000 - 10'000 Einwohner
  • 10'000 - 20'000 Einwohner
  • > 20'000 Einwohner

Die ABC-Methode, einfacher gesagt „die richtige Aktivität am richtigen Ort“, wurde von der holländischen ABC-Planung inspiriert. Ihr Ziel besteht darin, die Probleme, welche mit der Zunahme des motorisierten Verkehrs ver­bunden sind, vorauszusehen und zu begrenzen, indem Raumplanung und Gesamtverkehr koordiniert werden. Diese Methode bietet sich hauptsächlich für die Lokalisierung von Unternehmen an, lässt sich aber eben so gut auf Wohnbauprojekte, öffentliche Einrichtungen, Freizeitgelände usw. anwenden. 

Das Gelände wird entsprechend seiner Erreichbarkeit durch Strassen und den öffentlichen Verkehr in Sektoren (A, B, C wie auch M und H) unterteilt. Jede neue Tätigkeit, welche angesiedelt werden soll, muss demnach ein Mobilitäts­profil besitzen, welches dem Erreichbarkeitsniveau des Gebiets entspricht. Zum Beispiel stellt ein Verwaltungszentrum mit zahlreichen Angestellten ein interessantes Potenzial für den öffentlichen Verkehr dar und sollte idealer weise an einem zentral gelegenen Standort angesiedelt werden, welcher durch den öffentlichen Verkehr gut bedient wird (Standorte A). Hingegen sollte sich eine Logistikzentrale, welche Lastwagenverkehr erzeugt, an der Peripherie und in der Nähe eines Autobahnanschlusses ansiedeln (Standorte C).

Beispiel der Gemeinden von Lausanne-West

Lausanne-West besteht aus den Gemeinden von Bussigny, Chavannes-près-Renens, Crissier, Prilly, Renens, St. Sulpice, Villars-Sainte-Croix und Ecublens. Die rasche und disperse Verstädterung dieser Gegend während der letzten Jahre hat zu einer starken Zunahme des Strassenverkehrs und stärkerer Luftverschmutzung geführt. Die vom Verkehr ausgehenden Beeinträchtigungen haben einen nachteiligen Einfluss auf die Wohnqualität und begünstigen eine stadtartige Entwicklung ausserhalb der Zentren und grossen ÖV-Achsen. Dadurch wird die soziale und wirtschaftliche Entwicklung der Region gefährdet. 

Angesichts dieser Tatsachen haben Gemeinden und Kanton 2003 das Raumentwicklungskonzept Lausanne-West (Schéma directeur de l’Ouest lausannois, SDOL) erarbeitet, um Grundsätze für die Entwicklung der Urbani­sierung und des Verkehrs festzulegen. Das SDOL soll bei der Revision aller Raumplanungsdokumente weg­weisend sein. Für diesen Prozess, welcher mehrere Jahre beansprucht, müssen Übergangsmassnahmen getroffen werden, welche die ABC-Methode integrieren. Konkret überprüft eine Gruppe von Vertretern der Gemeinden und des Kantons (die ABC-Gruppe) die Übereinstimmung aller grösseren neuen Bauprojekte mit dem SDOL.

Beschreibung

Hintergrund

Die ABC-Methode zielt auf eine städtische Entwicklung schon urbanisierter Gebiete innerhalb der Agglo­merationen ab, um dadurch die disperse Verstädterung in der Peripherie und auf dem Lande abzubremsen. Eine Verdichtung der urbanisierten Räume begünstigt die Entwicklung eines ÖV-Angebots, welches eine echte Alternative zum Automobil darstellt und dadurch eine wirksame Nutzung von Infrastrukturen er­möglicht, deren Bau und Unterhalt grosse Mittel beanspruchen.

Jedes neue Projekt sollte seinen richtigen Standort haben. Zum Beispiel ist zu vermeiden, dass vom öffentlichen Verkehr sehr gut erschlossene Grundstücke von einem Unternehmen besetzt werden, welches kaum potenzielle Kund­schaft für den öffentlichen Verkehr hat. Und umgekehrt, dass sich Unternehmen, welche viel Kundenverkehr anziehen, möglichst nahe an Stationen des öffentlichen Verkehrs niederlassen.

Angebot

Mit dem Instrument der ABC-Methode soll bei Neuansiedlungen das Verhältnis zwischen dem Mobilitätsprofil der Tätigkeit und dem Erreichbarkeitsprofil bewertet werden. Die Analyse erfolgt nach zwei Achsen: 

  • Achse 1, Mobilitätsprofil der Tätigkeit: Typus der Tätigkeit, Anzahl der Arbeitsplätze, Anzahl der Besucher oder Kunden, Lastwagenfrequenz usw.
  • Achse 2, Erreichbarkeitsprofil des Geländes: Anbindung an den öffentlichen Verkehr (ÖV), Erreichbarkeit für motorisierten Individualverkehr (MIV) und den Langsamverkehr (LV).

Erfahrungen

Den Initiatoren der ABC-Methode zufolge hilft die Prüfung der Vorhaben mittels ABC-Fragebogen, bei der Entwicklung von Lausanne-West die urbanistischen, Umwelt-, Landschafts- und Mobilitätszwänge zu berücksichtigen, welche durch das Raumentwicklungskonzept Lausanne-West identifiziert werden. Die Behörden können Promotoren dazu bewegen, ihre Projekte zu modifizieren, noch bevor sie öffentlich ausgelegt werden. So wird ein mit den Grundsätzen der ABC-Methode im Einklang stehendes Vorhaben während der öffentlichen Auflage auf weniger Probleme stossen. 

Nach 10 Jahren der Anwendung in Lausanne West, wird die ABC-Methode immer weniger häufig eingesetzt. Die Planungsreglemente wurden Schritt für Schritt revidiert und haben die Ziele und Prinzipien des Raumentwicklungskonzepts Lausanne West direkt in die Reglemente integriert. Die Konformität der Unternehmen mit den Vorgaben zur Erreichbarkeit der Standorte ist demnach durch diese Anpassung garantiert. Die ABC-Methode als Übergangsmassnahme ist somit überflüssig.

Allerdings haben die holländischen Erfahrungen und die Erfahrungen in Lausanne-West auch gezeigt, dass es für die Behörden schwierig ist, den Unternehmen, welche sich auf ihrem Gelände ansiedeln möchten, die ABC-Kriterien einseitig und von aussen aufzuerlegen. Bei der vorliegenden starken räumlichen Konkurrenz ist es für die Behörden nicht immer erwünscht, einem Unternehmen die Möglichkeit zu verwehren, sich wunschgemäss anzusiedeln, selbst wenn der gewählte Standort dem Mobilitätsprofil des Unternehmens nicht entspricht. Um wirklich zu greifen, müssen die Kriterien der ABC-Methode schon bei der Ortswahl durch die Unternehmen angenommen und integriert werden. Die Befürchtung der Wirtschaftskreise, dass die ABC-Methode als eine zusätzliche Ebene der Reglementierung zu betrachten wäre, ist allerdings nicht gerechtfertigt. Tatsächlich ermöglicht die ABC-Methode den Unternehmen eine dauerhafte Fortschreibung der Zugangsbe­dingungen zu ihrem Standort und enthebt sie der Abhängigkeit von der Strasse.

Wirkung

Umwelt und Energie

Indem sie die wohlüberlegte Ansiedlung von Tätigkeiten überprüft, ermöglicht die ABC-Methode einen ratio­nelleren Einsatz des Automobils und eine Begünstigung des öffentlichen Verkehrs. Die Luftverschmutzung (insbesondere die CO2- und Feinstaubemissionen) und die Lärmbelästigung werden dadurch begrenzt und der Verbrauch fossiler Energieträger verringert.

Da andererseits die in der Nähe bestehender oder künftiger ÖV-Achsen befindlichen Flächen nicht beliebig erweiterungsfähig sind, wird durch Strategien einer städtischen Sanierung, Erneuerung und Umnutzung die urbane Verdichtung begünstigt. Eine solche Mobilitätspolitik trägt dazu bei, die Stadt in der Stadt zu bauen und eine rationale Bodenbewirtschaftung anzuwenden.

Gesellschaft

Indem die Ansiedlung eines Unternehmens an einem vom öffentlichen Verkehr gut bedienten Standort begünstigt wird, lassen sich Komplementaritäten mit dem Langsamverkehr finden. Zufussgehen und Velofahren haben positive Auswirkungen auf die Gesundheit: weniger Unfälle, weniger Stress und ein verringertes Risiko von Krankheiten, welche durch eine sitzenden Lebensweise begünstigt werden.

Ausserdem wird durch einen Unternehmensstandort in der Nähe einer starken ÖV-Achse das den Mitarbeitern zur Verfügung stehende Angebot an Transportmitteln stark erweitert. Ein solcher Standort bietet den Angestellten eine echte Wahlmöglichkeit zwischen verschiedenen Transportmitteln. Automobilisierte und nicht automobili­sierte Mitarbeiter werden wieder gleichgestellt, indem letztere nicht mehr durch eine schlechte Verkehrserschliessung des Unternehmens benachteiligt werden.

Wirtschaft

Die Umsetzung der ABC-Planung begünstigt eine Verdichtung um vorhandene oder künftige ÖV-Achsen herum und ermöglicht daher einen rentableren Betrieb dieser Netze. Die Aufwertung bestimmter Quartiere durch eine Politik, welche die Unternehmensansiedlung begünstig, ermöglicht auch eine Redynamisierung der städtischen Räume (neue Wohnungen, neue Arbeitsplätze), durch welche diese Räume wieder attraktiv und für eine regio­nale wirtschaftliche Entwicklung vorteilhaft werden.

Werkzeuge

Vorgehen

In Lausanne-West wird die ABC-Planung durch die Ausarbeitung des Raumentwicklungskonzepts Lausanne-West (SDOL) umgesetzt. Dieser Prozess stützt sich auf die Konzertierung und Integration aller Gemeinden der Region, die vom Mobilitätsproblem betroffen sind, sowie auf die aktive Hilfe der verschiedenen Ämter des Kantons Waadt. 

Konkret muss für jedes grössere neue Bauprojekt durch die technischen Dienste der Gemeinde ein Fragebogen ausgefüllt werden, ehe das Vorhaben öffentlich aufgelegt wird. Anhand dieses Fragebogens kann geprüft werden, ob die neuen Projekte auf die Vision der Raumentwicklung im SDOL abgestimmt sind. Die Projekte werden anhand von vier Kriterien beurteilt. Diese beruhen auf dem geltenden gesetzlichen Rahmen und stützen sich auf die Grundprinzipien der vorhandenen Gesetzgebung[1]:  

  • die Bestimmung und Zweckmässigkeit des Projekts (Ist es die geeignete Tätigkeit am geeigneten Ort?); 
  • die Strukturierung des Projekts (wie ist es konzipiert: öffentliche Räume, Zugang, etc.?);
  • die Parkierung (Entspricht die vorgesehene Parkplatzzahl der Örtlichkeit? Wo sollen die Veloabstellplätze realisiert werden? etc.);
  • Die Auswirkungen des Projekts auf die Umwelt und insbesondere die Luftqualität (welcher Natur sind die beabsichtigten Tätigkeiten und die Heizung?). 

Der Fragebogen wird dann der aus Technikern der Gemeinden und des Kantons zusammengesetzten ABC-Gruppe übermittelt, damit diese die Übereinstimmung des Vorhabens mit den Prinzipien und Zielen des SDOL beurteilen kann. Die ABC-Gruppe kann Anpassungen des Projekts verlangen. Im Falle eines negativen Urteils und falls die betroffene Gemeinde das Baubewilligungsverfahren fortführen möchte, wird die Steuergruppe des SDOL konsultiert. Die Entscheidung, ob das Bewilligungsverfahren fortgeführt oder gestoppt wird, liegt bei der Gemeinde.

[1] Das hier anwendbare Recht umfasst insbesondere das USG (die Grenzwerte für Schadstoffe werden oft überschritten), das RPG (die derzeitige Situation ist nicht angemessen; Wohn- und Arbeitsgebiete müssen gut gestaltet, einander zweckmässig zugeordnet und durch das öffentliche Verkehrsnetz hinreichend erschlossen sein) und das Strassengesetz (LR, loi sur les routes) des Kantons Waadt (ein flüssiger Strassenverkehr und die Verkehrssicherheit sind nicht immer gewährleistet). 

Finanzierung

Im Rahmen des Raumplanungskonzepts wird die Finanzierung durch die Gemeinden und den Kanton gewährleistet. Die Kosten für die Umsetzung einer solchen Planung ergeben sich aus den folgenden Elementen:

  • Untersuchungskosten (Erstellung einer Diagnose und Klarstellung der Zielsetzungen, welche die Mobilität und die Raumplanung miteinander verbinden);
  • Organisation der Auswertung von Baugesuchen und Bildung einer technischen Gruppe.

Marketing

Die ABC-Methode stellt die Raumplanungsspezialisten und die Entscheidungsträger vor die grosse Heraus­forderung, wie Bodennutzung und Verkehrsinfrastruktur optimiert werden können. Obwohl dazu bestimmt, komplexe Erscheinungen zu behandeln, ist dieses Verfahren doch verhältnismässig einfach und ermöglicht es, dass sich alle Raumplanungsakteure – Experten wie Nichtexperten – verstehen und austauschen. Die ABC-Methode ist somit auch ein Partnerschaftsinstrument, dessen Vorzug darin besteht, klare Fragen zu stellen, eine freie Diskussionen zwischen den verschiedenen Akteuren zuzulassen und Verhandlungen zwischen den Hauptinteressenten, nämlich den Gemeindebehörden, den kantonalen Ämtern und den Wirtschaftskreisen zu ermöglichen. Um wirksam zu sein, muss die ABC-Planung von allen Wirtschaftsakteuren verstanden und akzeptiert werden. Um das zu erreichen, müssen die Behörden Sensibilisierung und Kommunikation mit Nachdruck betreiben. So werden die Unternehmen diese Planung schon bei der Bewertung ausgewählter Standorte berücksichtigen.

Weitere Infos

  • Im Rahmen der ABC-Methode in Lausanne-West benutzte Dokumente:
  • ABC-Fragebogen (Questionnaire ABC) – ein Excel-Formular, welches die Gemeinde ausfüllt, , um der ABC-Gruppe zu ermöglichen, die Übereinstimmung eines Bauvorhabens mit den Grundsätzen des Raumplanungskonzepts für Lausanne-West zu überprüfen.
  • ABC-Gebrauchsanleitung (Mode d'emploi ABC) – Aufgabe, Rolle, Zusammensetzung und Arbeitsweise der durch die politische Steuergruppe (GROPIL) gebildeten ABC-Gruppe, um die Anwendung von Übergangskriterien zu überprüfen.
  • ABC-Organigramm (Organigramme ABC) – ein Schema mit den Schritten der ABC-Überprüfung, welche zwischen zwei Schritte des Bewilligungsverfahrens eingefügt wird, welches die Gemeinde für die ihr vorgelegten Vorhaben durchführt.

Weitere Downloads:

Weitere Informationen über die in Lausanne-West angewandte ABC-Methode:

Schéma directeur de l'Ouest lausannois
Rue de Lausanne 35 – Case postale 542
CH-1020 Renens
Tel. +41-21-632 71 27
E-Mail:

Fragen Sie auch die Vertreter des Mobilservice PRAXIS ihres Kantons um Rat

Verantwortlich für die Ausarbeitung dieses Praxisbeispiels:

Kanton Waadt / Canton de Vaud
Direction générale de la mobilité et des routes
Avenue de l'Université 5
CH-1014 Lausanne