Guideline Fussverkehr – Entwurf und Gestaltung von gemeinsam mit Fahrverkehr genutzten Strecken
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Erstellt am 09.02.2026
Werden Fuss- und Veloverkehr gemischt geführt, sind ausreichend Platz und eine übersichtliche Gestaltung entscheidend für ein gutes Miteinander. (Abbildung: Metron)
Mischen oder trennen? An dieser Frage entzündet sich oft eine Grundsatzdiskussion. Mindestens so entscheidend wie die Wahl ist jedoch, wie die gewählte Führungsform im konkreten Strassenraum umgesetzt wird. Die VSS-Guideline (VSS 72 005) unterstützt Planende und Behörden beim Entwurf und bei der Gestaltung von gemeinsam genutzten Flächen: von Fuss- und Velowegen sowie Quartierstrassen ohne Trottoir.
Im Zentrum stehen drei wesentliche Einflussfaktoren: Dimensionierung, Frequenz und Geschwindigkeit. So gilt etwa eine nutzbare Mindestbreite von 3 Metern auf Wegen im urbanen Raum als Voraussetzung dafür, dass Fuss- und Veloverkehr sicher und möglichst konfliktarm gemeinsam geführt werden können. Mit zunehmenden Frequenzen steigt die erforderliche Wegbreite. Mischen ist somit nicht unbedingt eine Massnahme, um Platz zu sparen. Um die Verträglichkeit zu erhöhen und Geschwindigkeitsdifferenzen zwischen den Verkehrsteilnehmenden möglichst gering zu halten, sind übergeordnete Netzüberlegungen genauso wichtig wie gestalterische Mittel. So lassen sich Konflikte und Verunsicherung reduzieren.
Auch auf Quartierstrassen hängt die Frage, ob ein Trottoir nötig ist, vom Verkehrsaufkommen und von der Geschwindigkeit ab. Bis rund 2'000 Fahrzeugen pro Tag gilt Mischen als verträglich, sofern die gefahrenen Geschwindigkeiten tief bleiben. Entscheidend ist dabei eine flächige, übersichtliche Strassenraumgestaltung, welche die multifunktionale Nutzung unterstreicht.
Die Guideline zeigt auf, dass es keine allgemeingültigen Grenzwerte gibt: Ob mischen oder trennen sinnvoller ist, muss immer situativ abgewogen werden. Dabei sind neben dem lokalen Kontext auch Alternativen im Netz miteinzubeziehen. So nähert man sich in einem iterativen Entwurfsprozess einer möglichst verträglichen und attraktiven Lösung. Die Guideline von Metron und Transitec basiert auf dem Forschungsprojekt «Entwurf & Gestaltung von durch Fuss- & Fahrverkehr gemeinsam genutzten Flächen im urbanen Raum». Sie führt Forschungserkenntnisse, bestehende Normen sowie Regelwerke und Handbücher aus dem In- und Ausland zusammen.
Weitere Informationen
- Metron
- Transitec: Sinn für Mobilität
- VSS-Guideline auf der Mobilityplattform
- Forschungsprojekt «Entwuf & Gestaltung von durch Fuss- & Fahrverkehr gemeinsam genutzten Flächen im urbanen Raum
- Mobilservice Praxis Beispiel zu Velobahnen – Planung und Umsetzung der «städtischen Velorouten» in Winterthur (Dezember 2023)
- Mobilservice News Dossier zur ASTRA Fachtagung Langsamverkehr 2022: Ansätze zur Entflechtung des Radverkehrs (Dezember 2022)
- Mobilservice Praxis Beispiel "Urbane Grünrouten: Potenzial für den Fussverkehr" (August 2018)
