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Koexistenz im Strassenraum – Testlauf Bahnhofstrasse in Aarau

Erstellt am 02.11.2026

Die Bahnhofstrasse in Aarau im Testbetrieb (Foto: Kanton Aargau) Die Bahnhofstrasse in Aarau im Testbetrieb (Foto: Kanton Aargau)

Die stark frequentierte Bahnhofstrasse Aarau verbindet den Bahnhof mit der Altstadt und nimmt damit eine zentrale stadträumliche Funktion ein. Als wichtige Achse für den Auto-, Bus- und Veloverkehr wird sie täglich von rund 13'500 Fahrzeugen und etwa 16'000 Fussgängerinnen und Fussgängern genutzt. Durch das Zusammentreffen von intensivem Längs- und Querverkehr entsteht eine aussergewöhnlich starke Überlagerung, welche den Verkehrsablauf stark beeinträchtigt und auch die Aufenthaltsqualität erheblich senkt. Neben der trennenden Wirkung der Strasse und den ungenügenden Bedingungen für Fussgängerinnen und Fussgänger beeinträchtigen starke Busverspätungen die gesamte Reisekette und erschweren so den nahtlosen Wechsel zwischen den Verkehrsmitteln.
Im Zuge der anstehenden Sanierung der Kantonsstrasse bot sich die Möglichkeit, vor dem definitiven Umbau ein neues Verkehrsregime zu erproben. Nach dem Motto "Mitenand statt Gägenand" sollte die Koexistenz aller Verkehrsteilnehmenden gefördert werden: Weniger Regulierungen, mehr Rücksichtnahme und Eigenverantwortung.
Mit einem Testlauf in zwei Phasen (vgl. weiter unten) wurde der Lösungsansatz von August 2023 bis August 2024 mit einer Vielzahl aufeinander abgestimmter Massnahmen getestet. Dabei wurden Daten zu den zwei Varianten sowie zum Ausgangszustand erhoben und ein Monitoringbericht durch ein externes Planungsbüro erstellt.

Profil & Eckdaten

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Jährliche Betriebskosten

  • gering (bis Fr. 5'000.-)
0 5'000 20'000
  • gering (bis Fr. 5'000.-)

Investitionskosten

  • hoch (ab Fr. 50'000.-)
0 10'000 50'000
  • hoch (ab Fr. 50'000.-)

Raumtyp

  • Zentrum / Stadt
  • Agglomeration

Gemeindegrösse

  • 10'000 - 20'000 Einwohner
  • > 20'000 Einwohner

Beschreibung

Viel Verkehr an der Bahnhofstrasse in Aarau (Foto: Kanton Aargau) Viel Verkehr an der Bahnhofstrasse in Aarau (Foto: Kanton Aargau)

Hintergrund

Die Bahnhofstrasse Aarau ist zentral gelegen und eine wichtige Kantonsstrasse mit täglich 13'500 Fahrzeugen und 16'000 Fussgängerinnen und Fussgängern. Sie verbindet den Bahnhof mit der Altstadt und muss saniert werden. 

Der Testlauf an der Bahnhofstrasse in Aarau wurde initiiert, um die bestehenden Verkehrsprobleme zu verbessern, welche sich insbesondere in regelmässigen Verspätungen des öffentlichen Verkehrs mangels Möglichkeit zur Buspriorisierung sowie einem sehr hohen Querungsbedürfnis der Fussgängerinnen und Fussgänger äusserte.

Die Stadt Aarau und der Kanton Aargau leiteten das Projekt gemeinsam (der Kanton als Strasseneigentümer mit Planungshoheit). Sie setzten sich das Ziel, den Boulevard Bahnhofstrasse als urbanen Stadtraum und wichtige Fussverbindung vom Bahnhof zur Altstadt zu stärken, die Aufenthaltsqualität zu erhöhen und die Trennwirkung der Kantonsstrasse zu reduzieren.

Testlauf

Der Testlauf erfolgte in zwei Phasen von je rund 6 Monaten, während die Daten für das Monitoring von Oktober 2021 bis Juli 2024 erhoben wurden.

Übersicht zum Betrachtungsperimeter des Testlaufs Bahnhofstrasse in Aarau (Bild: Monitoringbericht) Übersicht zum Betrachtungsperimeter des Testlaufs Bahnhofstrasse in Aarau (Bild: Monitoringbericht)

Beim Testlauf stand die Frage im Vordergrund, ob die Aufhebung der punktuellen, vortrittsberechtigen Querungen kombiniert mit einem gesicherten Mittelstreifen, Fahrbahnhaltestellen, einer auf 30 km/h reduzierten Geschwindigkeit und das flächige Verteilen von Querungen entlang der Bahnhof- und Kasinostrasse dank der dadurch entstehenden Lücken zu einem gleichmässigeren Verkehrsfluss führen, die Pünktlichkeit des öffentlichen Verkehrs verbessern, die Trennwirkung der Strasse reduzieren und die Verkehrsqualität auch für den Fussverkehr erhöhen.

Für das Monitoring wurden drei Varianten verglichen: 

  • V0: Zustand vor dem Umbau
  • V1: erste Testlauf‑Phase mit Velostreifen 
  • V2: zweite Testlauf-Phase ohne Velostreifen, dafür mit einem breiteren Mehrzweckstreifen

Varianten V0, V1 und V2 im Testbetrieb (Bilder: Kanton Aargau) Varianten V0, V1 und V2 im Testbetrieb (Bilder: Kanton Aargau)

Bei der Durchführung musste eine Vielzahl an parallellaufenden Baustellen berücksichtigt werden, darunter die Sanierung der hinteren Bahnhofstrasse, die ENIWA‑Fernwärme‑Baustelle in der Bahnhofstrasse sowie ein Bushaltestellenumbau im Graben mit Umleitung der Buslinien 1, 2 und 4 über den Kreuzplatz.

Massnahmen

Der Testlauf umfasste die folgenden aufeinander abgestimmter Massnahmen:

  • Mehrzweckstreifen in der Mitte der Strasse: Über einen mit Pflanzentrögen möblierten Streifen können die Fussgängerinnen und Fussgänger die Bahnhofstrasse auch ohne markierte Fussgängerstreifen sicher queren. Sie sind dabei nicht an vordefinierte Stellen gebunden und können sich auf ihrer Wunschlinie frei bewegen. Für seheingeschränkte Personen wurden Querungsstellen mit entsprechenden taktil-visuellen Elementen erstellt.
  • Aufhebung der Fussgängerstreifen in Kombination mit reduziertem Tempo: Das flächige Queren wird weiter unterstützt durch die Aufhebung der Fussgängerstreifen in Kombination mit reduziertem Tempo: Das reduzierte Tempo (Tempo 30) stärkt das sichere Miteinander der unterschiedlichen Verkehrsmittel und harmonisiert den Verkehrsfluss. Der Verzicht auf Lichtsignalanlagen und eine Reduktion der Beschilderung fördert die gegenseitige Verständigung der Verkehrsteilnehmenden im gemeinsamen Verkehrsraum.
  • Umbau der Bushaltestellen: Der Testlauf soll auch Erkenntnisse zum idealen Standort und zur Ausführung der Bushaltestellen liefern. Sie werden so angeordnet, dass das flächige Queren für Fussgängerinnen und Fussgänger unterstützt wird. Als Alternative zur bestehenden Busbucht wird auch ein Fahrbahnhalt getestet, welcher gemäss BehiG (Behindertengleichstellungsgesetz) ausgebaut ist.
  • Anpassung Kasinostrasse: Die Lichtsignalanlage Kasinostrasse / Bahnhofstrasse wird ausser Betrieb genommen, dadurch können Wartezeiten zwischen den Grünphasen der Lichtsignalanlage eliminiert werden. Die Linksabbiegespur für den motorisierten Individualverkehr wird aufgehoben. Dies ist notwendig, um den Verkehrsfluss auf der Bahnhofstrasse zu verbessern. Zudem wird die Situation für Velofahrende in der Kasinostrasse verbessert und die Querung der Bahnhofstrasse erleichtert.
  • Trottoirüberfahrten: Im Bereich der Bank- und Kasernenstrasse werden Trottoirüberfahrten erstellt. Diese bevorzugen die Fussgängerinnen und Fussgänger und verbessert die Längsverbindung zwischen dem Bahnhof und der Altstadt.
  • Velostreifen: In einer zweiten Testphase wurden zusätzlich die beidseitigen Velostreifen zu Gunsten eines breiter ausgestalteten Mehrzweckstreifens auf der Bahnhofstrasse aufgehoben.

Erfahrungen

Drohnenaufnahme von der Bahnhofstrasse (waagerecht) und Kasinostrasse (senkrecht) während des Testlaufs (Foto: Kanton Aargau) Drohnenaufnahme von der Bahnhofstrasse (waagerecht) und Kasinostrasse (senkrecht) während des Testlaufs (Foto: Kanton Aargau)

Erkenntnisse aus dem Testlauf

  • Fussgängerinnen und Fussgänger erlebten in beiden Varianten deutlich kürzere Wartezeiten an den Lichtsignalanlagen (von 17‑20 Sekunden auf null) und konnten direkter queren. Es kam zu mehr flächigem Queren zwischen Kasino- und Bahnhofstrasse und weniger Querungen im Bereich der Lichtsignalanlagen. Die Gesamtzahl der Querungen stieg nur marginal. 
  • Beim Veloverkehr führte der Radstreifen der ersten Phase zu einem Anstieg von etwa 25 % entlang der Bahnhofstraße, während in der zweiten Phase die Nutzung des neu gestalteten Mehrzweckstreifens die Verbindung Tunnelweg‑Kasinostraße verbesserte, jedoch zu einem leichten Rückgang auf der Bahnhofstraße führte, weil ein Teil des Verkehrs auf den Apfelhausenweg (Parallelroute) auswich.
  • Im öffentlichen Verkehr verbesserte sich die Pünktlichkeit in Richtung Bahnhof, während die Fahrplanstabilität zur Holzmarkt‑Station unverändert blieb und Busse ohne Wartezeit aus der Haltestelle ausfahren konnten. 
  • Die Reisezeiten für den motorisierten Individualverkehr verkürzten sich um 15‑30 Sekunden pro Richtung auf der Bahnhofstrasse. Auf der Kasinostrasse blieb die Spitzenzeit in Phase 1 gleich, in Phase 2 jedoch deutlich niedriger, obwohl die Strecke von der Parkhausausfahrt bis zur Poststrasse leicht länger dauerte. Der tägliche Verkehr auf der Bahnhofstrasse blieb mit etwa 13'500 Fahrzeugen konstant, wobei sich der Verkehr in Richtung Bahnhof um ca. 20 % im Abschnitt Aargauerplatz‑Kasinostrasse erhöhte und im Anschluss um 12 % abnahm. Auf der Kasinostrasse sank das Gesamtaufkommen um 15 % (Phase 1) bzw. 22 % (Phase 2), ohne dass die benachbarte Poststrasse stärker belastet wurde.
  • Die Verkehrssicherheit blieb insgesamt hoch: In der ersten Phase wurden drei polizeilich registrierte Unfälle gemeldet, darunter ein leichter Fußgängerunfall; in der zweiten Phase traten keine Unfälle auf. Beobachtungen zeigten vereinzelte Konflikte zwischen Fußgängern und Velofahrern bei Staus. Zudem war das subjektive Sicherheitsempfinden älterer oder sehbehinderter Personen teilweise schlechter als im Ausgangszustand.

Rückmeldungen von Anwohnenden und Interessengruppen

Die Mehrheit der Anwohnenden und Interessengruppen befürworteten die neue Gestaltung der Bahnhofstrasse. Eine Ausnahme bildete dabei die Anordnung mit den Pflanzentrögen, die von allen Seiten bemängelt wurde, wobei hierzu angefügt werden muss, dass im Falle eines positiven Testlaufs ein Gestaltungskonzept ausgearbeitet werden soll. Die Selbsthilfe- und Mitgliederorganisation für Menschen mit Behinderungen ProCap wies auf die Bedeutung einer durchgängig taktilen Ausgestaltung des Mehrzweckstreifens hin, die als zu erfüllende Anforderung im definitiven Bauprojekt aufgenommen wurde. Aus Sicht der Autofahrenden wurden insbesondere Verbesserungen an den Parkhausausfahrten gewünscht. Im Verlauf des Testlaufs wurde mit Markierungsanpassungen und Regimeänderungen sowie einem Durchfahrtsverbot bei der Kasinostrasse reagiert, um auch die Situation der Parkhausausfahrt zu verbessern. Die Busbetriebe äusserten sich positiv über die verbesserte Rücksichtnahme, sahen jedoch noch Optimierungsbedarf bei der Haltestellenlage. 

Mediale Berichterstattung

Trotz positiver Messresultate zeichnete das mediale Echo zu Beginn ein eher kritisches Bild zum Verkehrsregime. Dabei sorgte insbesondere die Situation mit den Parkhausausfahrten an der Kasinostrasse für Negativschlagzeilen. Im Verlauf des Testlaufs wandelte sich die Wahrnehmung und gegen Ende des Testlaufs waren die Rückmeldungen mehrheitlich positiv.

Fazit

Zusammenfassend bewerteten Stadt und Kanton das Projekt als Erfolg: Das Leitbild „Mitenand statt Gägenand“ funktioniert, die Bahnhofstrasse wurde als Verbindung zwischen Bahnhof und Altstadt gestärkt, der Verkehrsablauf für alle Verkehrsträger verbessert und die Fahrplanstabilität des öffentlichen Verkehrs konnte erhöht werden. Da Variante 2 klare Vorteile bezüglich Verkehrssicherheit für die grosse Anzahl an Fussgängerinnen und Fussgängern bot, soll künftig auf die Markierung von Velostreifen verzichtet werden. Der Veloverkehr soll auf die vorhandenen, attraktiven Alternativrouten geleitet werden, ein Markierungs- und Gestaltungskonzept zur Erreichung dieses Ziels wird erarbeitet. Auch die Trennwirkung der Bahnhofstrasse konnte reduziert und die Aufenthaltsqualität gesteigert werden. Wichtig ist in diesem Zusammenhang aber auch der Umstand, dass die Bahnhofstrasse nicht Teil eines Schulwegs für Primarschüler und Primaschülerinnen ist. Insbesondere kleine Kinder könnten u.U. Mühe bekunden, eine derart verkehrsbelastete Strasse ohne klare Regelung zu queren.

Die ursächliche Wirkung des Konzepts lässt sich dabei wie folgt beschreiben:

  • Reduktion der Regelungen: Durch die Aufhebung der Fussgängerstreifen und das Abschalten der Lichtsignalanlage entsteht ein weniger fragmentierter Verkehrsfluss.
  • Tempo 30 als begleitende Voraussetzung: Das flächige Queren ohne Vortrittsrecht erfordert tiefere Geschwindigkeiten, kurze Anhaltewege sowie ausreichend Zeit für Wahrnehmung, Blickkontakt und gegenseitige Rücksichtnahme. Tempo 30 bildet dabei die notwendige Bedingung, damit das vereinfachte Regelwerk sicher funktionieren kann.
  • Fahrbahnhaltestellen als einfaches und kostengünstiges Mittel zur Buspriorisierung und Erhöhung der Pünktlichkeit des öffentlichen Verkehrs: Durch die Errichtung von Fahrbahnhaltestellen wird der Bus zum Pulkführer. Dies ermöglicht eine einfache Buspriorisierung ohne grosse bauliche und technische Installationen.

Seitens der gemeinsamen Projektleitung wurden die folgenden Erfolgsfaktoren identifiziert:

  • Klare Versuchsanordnung: Von Anfang an als Pilotprojekt definiert, mit einer ausreichend langen Testphase. 
  • Umfassendes Monitoring: Datenbasiertes Vorgehen ersetzte subjektive Einschätzungen und ermöglichte fundierte Entscheidungen. 
  • Gemeinsame Projektführung: Enge Zusammenarbeit von Stadt und Kanton in Planung, Umsetzung und Kommunikation. 
  • Transparente Kommunikation: Frühzeitige Einbindung der Öffentlichkeit und der Medien minderte Gegenwind und steigerte Akzeptanz.
  • Klares politisches Bekenntnis zum Testlauf bei gleichzeitiger Offenheit für Anpassungen

Ausblick

Auf Basis der positiven Bilanz entschieden die Stadt Aarau und der Kanton im April 2025 gemeinsam, die getesteten Massnahmen gemäss Variante 2 des Testlaufs dauerhaft zu verankern und die folgenden Verbesserungen zeitnah umzusetzen: 

  • Umsetzung einer attraktiven und intuitiven Linienführung über die Parallelrouten Apfelhausenweg sowie Tunnelweg. Zudem soll die künftige Spurbreite so gewählt werden, dass Velofahrende nicht mehr überholt werden können 
  • Umsetzung eines durchgehenden taktil erfassbaren Mehrzweckstreifen für zu Fuss Gehende mit besonderen Bedürfnissen im Rahmen des definitiven Projekts (Anforderung von ProCap) 
  • Erneute Überprüfung der Lage der Bushaltestellen 

Auf dieser Basis wurde inzwischen ein Umgestaltungsprojekt gestartet, in welchem die Bahnhofstrasse von Fassade zu Fassade geplant und saniert wird. 

Wirkung

Das ausgesprochen umfangreiche Monitoring lieferte im Aargauer Projekt nachgewiesene Ergebnisse zu Reisezeiten, Fahrplanstabilität, Querungsverhalten, Wartezeiten, Verkehrssicherheit und Lärm. Diese Ergebnisse sind detailliert im Monitoringbericht Bahnhofstrasse dargelegt.

Im Folgenden sind weitere plausible Wirkungen aufgeführt, welche im Rahmen des Aargauer Projekts nicht direkt untersucht worden sind, in der Praxis bei ähnlich gelagerten Projekten jedoch häufig zutreffen.

Umwelt und Energie

Die Verbesserungen für den Fuss- und Veloverkehr (für den Veloverkehr teilweise noch in Planung) tragen zu einer Verlagerung vom Auto hin zu umweltverträglichen Verkehrsmitteln. Dies führt insgesamt zu einer Reduktion von CO₂‑Emissionen, Lärm und Luftschadstoffen im Strassenverkehr. Auch die reduzierte Geschwindigkeit führt zu Lärm- und Schadstoffreduktionen.

Gesellschaft

Durch gezielte, phasenweise Testläufe, klare Messkriterien und die Einbindung aller Akteure lässt sich ein urbaner Korridor so umgestalten, dass er den Bedürfnissen aller Verkehrsteilnehmenden gerecht wird: Höhere Sicherheit, bessere Zugänglichkeit, mehr Gesundheit und gesteigerte Lebensqualität.

Die partizipative Vorgehensweise stärkt das Gemeinschaftsgefühl und erhöht das Vertrauen in kommunale Projekte.

Der Verzicht auf Lichtsignalanlagen und die Reduktion der Beschilderung fördern die gegenseitige Verständigung unter den Verkehrsteilnehmenden im gemeinsamen Verkehrsraum und unterstützen eine positive Mobilitätskultur.

Wirtschaft

Die für alle Verkehrsmittel schnellere Anbindung führt insgesamt zu einer gesamtwirtschaftlichen Zeitersparnis, verbessert die Logistik für lokale Unternehmen und stärkt den Tourismus. 

Eine höhere Aufenthaltsqualität führt in der Regel zu Umsatzsteigerungen des Einzelhandels (mehr Laufkundschaft) und kann zu einer Erhöhung der Immobilienwerte in den angrenzenden Quartieren führen. 

Werkzeugkasten

Vorgehen

Mit einem Testlauf in zwei Phasen, welche je etwa 6 Monate dauerten, sammelten Kanton und Stadt Erfahrungen für eine definitive Gestaltung der Bahnhofstrassse. Der Testlauf umfasste eine Vielzahl aufeinander abgestimmter Massnahmen:

  • Mehrzweckstreifen in der Mitte der Strasse
  • Aufhebung der Fussgängerstreifen in Kombination mit reduziertem Tempo
  • Umbau der Bushaltestellen
  • Anpassung Kasinostrasse
  • Trottoirüberfahrten
  • Velostreifen resp. Verlagerung auf Alternativrouten

Im Rahmen des Testlaufs galten die folgenden Regelungen und Verhaltensempfehlungen:

  • Fussgängerinnen und Fussgänger haben keinen Vortritt.
  • Die Strasse darf an jeder Stelle überquert werden.
  • Durch den Mehrzweckstreifen kann die Fahrbahn in zwei Etappen überquert werden.
  • Für seh- und bewegungseingeschränkte Personen sind taktil-visuelle Aufmerksamkeitsfelder markiert.

Verhaltensempfehlungen Bahnhofstrasse Aarau (Graphik: Kanton Aargau) Verhaltensempfehlungen Bahnhofstrasse Aarau (Graphik: Kanton Aargau)

Marketing

Die Durchführung des Testlaufs erforderte eine sorgfältige Planung der Kommunikation gegenüber den Verkehrsteilnehmenden und der Öffentlichkeit. Dazu haben Stadt und Kanton ein gemeinsames Kommunikationskonzept erarbeitet und folgende Marketing-Massnahmen umgesetzt:

  • Plakate zum Aufstellen vor und während der Testphasen
  • Erklärvideos zur Erklärung des Projekts und für Verkehrsteilnehmende (Velofahrerinnen und Velofahrer, Fussgängerinnen und Fussgänger, Autofahrerinnen und Autofahrer) 
  • Erklärslides in den Bussen der BBA
  • Aufschaltung der Informationen auf der Projektwebseite

Weitere Informationen

Weiterführende Links

Dokumente auf Deutsch

Hinweis zur Übertragbarkeit des Konzepts Bahnhofstrasse Aarau:

Die Ausgangslage der Bahnhofstrasse in Aarau – stark frequentierte, kanalisiert‑querende Fussgängerströme – ist in der Schweiz weitgehend einzigartig. Deshalb lässt sich das Konzept nicht eins zu eins auf andere Hauptachsen oder Strassenabschnitte übertragen. Eine mögliche Übertragung erfordert immer eine genaue Analyse der lokalen Verkehrsströme und Konfliktpunkte und die Anpassung der Regelungen an die jeweiligen räumlichen Gegebenheiten. 

Ähnliche Beispiele in anderen Schweizer Städten:

Kontaktadressen

Stadt Aarau
Sektion Stadtentwicklung
Fachstelle Mobilität und Öffentlicher Raum
Rathausgasse 1
CH-5000 Aarau
www.aarau.ch

Kanton Aargau
Departement Bau, Verkehr und Umwelt
Abteilung Tiefbau
Unterabteilung Realisierung
Entfelderstrasse 22
CH-5001 Aarau
www.ag.ch

Fragen Sie auch die Vertreter:innen von Mobilservice Praxis Ihres Kantons um Rat.

Verantwortlich für die Ausarbeitung dieses Praxis-Beispiels: 

Kanton Aargau
Departement Bau, Verkehr und Umwelt
Abteilung Verkehr
Karin Wasem
Entfelderstrasse 22
CH-5001 Aarau