Fast die Hälfte des Personenverkehrs ist Freizeitverkehr. Sport Treibende und Erholung Suchende fahren grösstenteils mit dem eigenen Auto ans Ausflugsziel. Somit ist der Freizeitverkehr das gewichtigste Verkehrssegment, welches auch zukünftig wachsen wird. Der Handlungsbedarf ist dementsprechend gross. Aus Sicht einer nachhaltigen Verkehrspolitik sind deshalb die Reduktion langer Freizeitfahrten sowie die Verlagerung vom MIV auf den Langsamverkehr und den öffentlichen Verkehr anzustreben.
Attraktive Ziele in Wohnortsnähe und eine geeignete Kommunikations-Plattform für diese „Geheimtipps“ sollen helfen, eine sanfte Freizeitmobilität vor der eigenen Haustür zu fördern. Internet-Plattformen für Ausflugstipps sind bspw. ein flexibles interaktives Marketinginstrument und informieren die Nutzerinnen und Nutzer über Reiseziele in nächster Umgebung. Auf dem Portal verlinkte Fahrpläne für den öffentlichen Verkehr, Wetterprognosen, GPS Daten, Kartenmaterial oder Webcam-Links sind weitere nützliche Dienstleistungen. Die bisher gewonnen Erfahrungen zeigen, dass Angebote wie die Website „Tour de Berne“ rege genutzt werden und auf positiven Anklang stossen. Projekte wie „SchweizMobil“, „Sportlich zum Sport“ oder „Alpen retour“ zielen ebenfalls auf die Förderung einer nachhaltigen Freizeitmobilität. Alle Bespiele zeigen, dass mit einer gezielten Information der Verkehrsteilnehmenden eine nachhaltige Verlagerung vom MIV auf den LV und den öV möglich ist.
Beispiel Tour de Berne: www.tour-de-berne.ch
Die Website www.tour-de-berne.ch ist eine interaktive Ideenbörse für Ausflugstipps in der Region Bern. Ziel von Tour de Berne ist die Förderung von "Naherholung statt Fernreisen". Dabei stehen insbesondere die "gemächlicheren" Fortbewegungsarten zu Fuss, per Velo, auf Inline-Skates, etc. im Vordergrund.
Die Internetplattform wird aus der Bevölkerung gespeist. So können Nutzende nicht nur Ausflugstipps suchen, sondern auch eigene Vorschläge verfassen. Es entsteht dadurch eine stetig wachsende Sammlung von (überraschenden) Ausflugmöglichkeiten vor der eigenen Haustür. Die Internetplattform wird über regionales Sponsoring finanziert und durch die Büro für Mobilität AG in Bern betrieben. Die Betreiber der Website kontrollieren auch die eingegebenen Ausflugtipps und schalten diese dann frei. Neben den Ausflugsbeschrieben bietet Tour de Berne auch direkte Links zu Fahrplänen des öffentlichen Verkehrs, zu Ortsplänen und zur Wetterprognose. Dies garantiert Aktualität und einen einwandfreien Informationsfluss.
Beispiel ZVV Ausflugstipps: www.zvv.ch/ausflugstipps
Die Plattform für Naherholung des Zürcher Verkehrsverbundes (ZVV) soll mehr Passagiere ausserhalb der Pendlerzeiten auf Bus, Tram, Schiff und Bahn bringen und zentrumsferne Linien besser auslasten. Die gezielte Förderung des Freizeitverkehrs zeigt bereits erste Erfolge. 2008 waren bereits die Hälfte aller Fahrten des ZVV dem Freizeitverkehr zuzuschreiben. Dies bringt dem ZVV nicht nur finanziellen Nutzen sondern auch einen immateriellen Nebeneffekt: Die Massnahmen fördern auch das Image des ZVV[1].
Die Ausflugstipps des ZVV orientieren sich um die Regionen Stadt Zürich, das Zürcher Ober- und Unterland, Winterthur, Knonauer- und Weinland. Dank einer unkomplizierten Navigation findet jeder Besucher schnell ein für sich passendes Ausflugsziel. Diese stammen mehrheitlich von der ZVV-Redaktion sowie vereinzelt von ZVV Kundinnen und Kunden. Nebst den Ausflugstipps finden sich auf der Website aktuelle Fahrpläne, Wetterprognosen sowie spezielle Freizeitaktionen.
Beispiel badenmobil: www.badenmobil.ch/verkehrsmittel/zu-fuss/gps-tracks.html
Unter dem Link „Velo / zu Fuss / Skaten“ finden sich auf der Website von badenmobil diverse Ausflugsmöglichkeiten. Anders als bei Tour de Berne oder dem ZVV beschränken sich die Tipps allerdings nicht nur auf die nähere Umgebung. Vielmehr kann der Besucher auch auf Freizeittipps für die Region Aargau, die Regionen Bad Zurzach, Seetal, Zofingen und Zürich zurückgreifen. Die Tipps beinhalten neben einem kurzen Beschrieb zum Ausflugsziel zudem hilfreiche Links zu Wetter, GPS Daten, Google Earth, Höhenprofil, Fotokarte und Webcam Bilder aus der Ausflugsregion. Anders als beim Berner und Zürcher Beispiel bietet das Portal von badenmobil auch Anreiseinformationen für den MIV. Die Vorschläge sind von einer festen Autorenschaft verfasst.
[1] Quelle: ZVV Geschäftsbericht 2008