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Betriebliches Mobilitätsmanagement zielt im Hinblick auf Geschäfts- und Dienstfahrten üblicherweise auf die Autonutzung ab und beschränkt sich z.B. auf Massnahmen wie die Auswahl einer umweltfreundlichen und verbrauchsarmen Flotte oder die Teilnahme an Eco-Drive Kursen für eine sparsame Fahrweise. Wenig verbreitet sind bisher Anreize zur Nutzung des Velos als Dienstfahrzeug. Jedoch finden sich selbst in transportintensiven Branchen wie beispielsweise bei Handwerkern vorbildliche Betriebe, in denen die täglichen Dienstfahrten mit dem Velo absolviert werden. Mit zunehmender Verbreitung von Elektrovelos bietet sich den Firmen eine weitere interessante Möglichkeit, ihren Mitarbeitenden ein attraktives und komfortables Fortbewegungsmittel zur Verfügung zu stellen. Während bei Handwerksbetrieben im Wesentlichen praktische und wirtschaftliche Gründe für den Einsatz des Velos für Dienstfahrten ausschlaggebend sind, spielen bei öffentlichen Einrichtungen verstärkt auch der Umweltgedanke sowie die Vorbildfunktion eine Rolle.
Beispiel Handwerksbetriebe
Die mitten in der Luzerner Innenstadt angesiedelte
Brauchli AG Luzern, Holzbau – Schreinerei, mit 45 Mitarbeitenden, hat bereits seit 20 Jahren Firmenvelos im Einsatz. Der Fuhrpark setzt sich aus derzeit zehn zum Materialtransport notwendigen Servicefahrzeugen sowie aus 12 effizient im Stadtverkehr einsetzbaren, einfachen Dienstvelos zusammen. Um Verzögerungen durch Staus und Parkplatzsuche zu vermeiden, bringt ein „Chauffeur“ Material und Werkzeug mit dem Lieferwagen zum Auftragsort, während die Handwerker mit dem Velo zum Einsatz fahren. Auch ohne spezielle Anreize ist die Velonutzung für die Mitarbeitenden ganz selbstverständlich und sie nutzen das Velo, weil es im Stadtgebiet von Luzern das konkurrenzlos schnellste, bequemste und praktischste Fortbewegungsmittel darstellt. Einige fahren ohnehin mit dem eigenen Velo zum Betrieb und nutzen es dann auch für die Dienstfahrten zu den Baustellen. Die Vorteile bei dieser Art Betriebsmobilität sieht das Unternehmen vor allem in der Ersparnis von Zeit und Kosten, auch für Parkgebühren. Zudem ist die Beschriftung der Velos ein sehr guter Werbeträger und kommt bei der Bevölkerung sehr gut an.
In ähnlicher Weise, aber kleinerem Rahmen, nutzt auch das in Luzern alteingesessene
Sanitärunternehmen Schmidt AG seit bereits 10 Jahren eine Flotte von 20 Werkstattwagen, ergänzt mit 5 herkömmlichen Velos.
Beispiel Spitex
Die Spitex-Mitarbeitenden sind, um ihre zahlreichen, im Einsatzgebiet verstreuten Dienstorte binnen kurzer Zeit erreichen zu können, auf ein eigenes Transportmittel angewiesen. Die zur Verfügung gestellten Autos zeigen - insbesondere in städtischen Gebieten - den Nachteil von durch Staus und Parkplatzsuche erzeugten Zeitverlusten. Traditionell hat die
Spitex daher auch Velos im Einsatz. Vorreiter für die Integration des Velos im Arbeitsalltag, sowohl auf Arbeits- als auch auf Geschäftsfahrten, war die Spitex Basel-Stadt, die dafür bereits im Jahr 2000 den Prix Velo für velofreundliche Betriebe erhielt. Mehr und mehr forcieren Spitex-Betriebe über verschiedene Fördermassnahmen den effizienten Einsatz von Velos für die Servicefahrten zu den Kunden. Dabei agieren die einzelnen, im Verband der Spitex zusammengefassten lokalen Organisationen weitgehend autonom und gestalten ihre Mobilitätsfragen individuell und ohne einheitliches Mobilitätskonzept.
Die
Spitex Bern (345 Mitarbeitende im Aussendienst) hat bereits seit 15 Jahren mittlerweile 60 betriebseigene Velos im täglichen Einsatz und hat mit der Etablierung von Elektrovelos den Fuhrpark ergänzt und modernisiert. Als Zubehör werden Regenschutz, Körbe und Taschen für den Gepäcktransport und ein obligatorisch zu tragender Velohelm zur Verfügung gestellt. Im Schnitt legt ein Mitarbeitender im Pflegedienst auf seiner täglichen Tour rund 10 Velokilometer zurück. Während Autos und auch die beliebten „Flyer“ Elektrovelos reserviert werden müssen, stehen die Velos in ausreichender Menge zur Verfügung. Tätigen Mitarbeitende ihre Pflegeeinsätze mit dem eigenen Velo, wird dies mit einer Unterhaltspauschale von täglich 2,60 Franken honoriert. Ende 2007 liess die Einrichtung eine Mobilitätsanalyse durchführen, auf deren Basis weitere Massnahmen zur Veloförderung umgesetzt wurden. Neben der Beschaffung weiterer „Flyer“ sind dies die Bereitstellung von Velostadtplänen, das Angebot von Velofahrkursen, gedeckte Velostellplätze und regelmässige Velochecks. Mit den Massnahmen signalisiert der Arbeitgeber, dass ihm die Velonutzung der Mitarbeitenden wichtig ist. Umgekehrt ist die Nutzung des Dienstvelos mittlerweile für die Mehrheit der Mitarbeitenden eine Selbstverständlichkeit. Sämtliche Velos tragen das Spitex-Logo als unverkennbares Markenzeichen, was der Bekanntheit und Imagebildung der Einrichtung dient.
Für ihr „konsequent durchdachtes Konzept mit Modellwirkung“ verlieh die Jury den Prix Velo 2009 der 1'900 Mitarbeiter zählenden
Genfer Spitex (FSASD). Das Mobilitätsmanagement umfasst neben dem Angebot bedarfsgerechter Mobilitätsmöglichkeiten für die Dienstwege auch individuelle Massnahmen für die Mitarbeitenden sowie Öffentlichkeitsarbeit und Infrastrukturmassnahmen im Kantonsgebiet. Die Dienstvelos dürfen auch mit nach Hause genommen und für den Arbeitsweg benutzt werden.
Beispiel öffentliche Verwaltung
Die
Stadtverwaltung Zürich setzt seit dem Frühjahr 2005 spezielle Dienstvelos im ganzen Stadtgebiet ein mit dem Ziel, den Mitarbeitenden eine attraktive und vor allem benutzerfreundliche Dienstvelo-Infrastruktur mit zugehörigem Rundum-Service anzubieten. Das nach Einführung evaluierte positive Feedback der Nutzenden wurde inzwischen durch eine enorm gestiegene Nachfrage nach den in allen Amtshäusern, an insgesamt 80 Standorten, bereitstehen Dienstvelos mehr als bestätigt: Nach 20'000 zurückgelegten Kilometern im ersten Jahr wurden die Velos im 2008 insgesamt 71'000 Kilometer weit bewegt. Trotz der offensichtlich grossen Beliebtheit ist die Stadt nicht untätig und plant als weitere Aktionen eine erneute Nutzer-Umfrage, die Optimierungspotenziale aufzeigen soll, sowie eine Velohelm-Aktion in Kooperation mit der SUVA, mit stark verbilligten Dienstvelohelmen für alle Nutzenden.
Sowohl Beschaffung als auch Wartung übertrug die Verwaltung externen Fachleuten. So wurde mit der Lieferung des speziellen, wartungsarmen, in den Farben der Stadt lackierten Modells ein auf Firmenkunden spezialisierter Velohändler beauftragt. Die Mitarbeitenden der beruflichen Integrationsmassnahme „Züri rollt“ sorgen mit regelmässigen Kontrollen und Reparaturen dafür, dass die Velos immer fahrtüchtig sind und stehen bei Problemen als Pannendienst bereit.
Dienstvelos sind in Zürich Teil des städtischen Mobilitätsmanagements und deren Beschaffung sowie die Bereitstellung von Abstellplätzen als Massnahme zur Motivation und Imageförderung in der Mobilitätsstrategie Zürichs verankert. Informationen darüber für die Nutzenden sind daher auf der Website auch der Öffentlichkeit zugänglich. Die Flotte der markanten Dienstvelos prägt bereits das Zürcher Stadtbild. Dass ein Konzept für Dienstvelos auch in ländlichen Gemeinden funktioniert, zeigt das Beispiel der
Gemeinde Trubschachen. Im Rahmen des Mobilitätsprogramms ‚emmental bewegt‘ wurden allen Gemeinderäten persönliche Elektrovelos zur Verfügung gestellt; Gemeindemitarbeitende können einen Pool nutzen. Wer acht Jahre im Gemeinderat war, darf seinen „Flyer“ behalten. Ergänzend wird ein Mietpool angeboten, der sowohl Einwohnern wie auch Besuchern zur Verfügung steht und regen Anklang für touristische Ausflüge findet.
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